guensterode feuerraeder 08 04 2012
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Feuerräderlauf in Günsterode

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Melsungen – Das Niemandsland zwischen den nordhessischen Landkreisen Schwalm-Eder und Werra-Meißner erwacht jedes Jahr an Ostersonntag zum Leben. Dann veranstaltet der Verein zur Pflege und Erhaltung des Brauchtums in Günsterode den Feuerräderlauf. Die Einwohnerzahl des kleinen Örtchens, einem Stadtteil von Melsungen, steigerte sich an diesem Abend für wenige Stunden um etwa 1.200 Besucher auf das Vierfache der üblichen Bevölkerung.

Noch vor wenigen Jahren kamen zu dem österlichen Event mehr als dreitausend Besucher. Das ist nun vorbei, was für den Organisator Rainer Salzmann aber halb so schlimm ist. 

Der Verein hat sich drauf eingestellt und teilt sich jetzt die Besucher mit anderen Veranstaltungen. Als die Zuschauer noch zahlreicher strömten, hieß der Feuerräderlauf auch noch Osterräderlauf – aber mit dem Namen darf am aus patentrechtlichen Gründen nicht mehr werben, sagt Salzmann. In diesem Jahr wurde auch zum ersten Mal ein Gastronom mit der Bewirtung der Gäste beauftragt. Das hatte allerdings den Hintergrund, dass der Verein zur Pflege und Erhaltung des Brauchtums sein 20-jähriges Bestehen feiert – daran sollten sich auch alle Mitglieder beteiligen können.

Um kurz vor 21 Uhr ging es dann los

Viele Helfer hatten den Osterhasen aus Strohballen, der noch am Morgen den Ortseingang zierte, auf den Berg gebracht und zusammen mit alten Tannenbäumen ein Osterfeuer entzündet. Die Fackeln, die den Weg der Räder markieren sollten, wurden angesteckt, das erste Rad von den Helfern in Stellung gebracht. In einem Feuerschutzanzug wird das Rad von einem Mann gehalten, während seine Kameraden das Stroh anzünden. Erst wenn das Stroh meterhoch lodert, wird das Rad den Berg hinunter gelassen – direkt auf die Zuschauer zu. Das ganze Spektakel dauert etwa 10 bis 15 Sekunden. Dann ist das Rad, im günstigsten Fall, bis zu der Wiese unterhalb der Landstraße gerollt, von der aus die Zuschauer die Szenerie beobachten. Am Sonntagabend klappte das nur beim ersten Rad. Die beiden folgenden wurden kurz vorher von Bäumen gestoppt, was von den Zuschauern aber nicht minderlaut bejubelt wurde.

Lange Tradition 


Erstaunlich ist, dass sich die Bevölkerungsentwicklung in Günsterode während der letzten 117 Jahre so gut wie nicht verändert hat. 1895, als der erste Räderlauf stattfand, zählte das Dorf 334 Einwohner. Laut Wikipedia sind es jetzt etwa 350 Einwohner. Seine Boomzeit erlebte der Ort, als der Wald um Günsterode herum als Gebrauchswald zum Herstellen von Kohle diente. Als der Gebrauchswald 1870 aufgegeben wurde (der Ort zählte damals mehr als 500 Einwohner und hatte, je nach Quelle, zwischen 10 und 19 Köhler), wanderten viele in das Ruhrgebiet aus, um im Bergbau zu arbeiten. 25 Jahre später hielt dann der Brauch der zurückgekehrten Bergleute aus dem Ruhrgebiet in Günsterode Einzug, brennende Räder einen Berg hinunter rollen zu lassen. 
Am Anfang der Tradition stand die Dorfjungend, die die Stahlräder präparierte und den Berg hinunter schickten. Die Jungend wurde von dem Verein zur Pflege und Erhaltung des Brauchtums abgelöst.

 

Aktuelle Fotostrecke: (c) Hessennews TV/

Text: nh24

Video: Hessennews.TV

 

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