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Wo Leben und Tod nah beieinander liegen

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Ein neues Verbrechen im spätmittelalterlichen Frankfurt, anno 1533: Schwangere Frauen verschwinden spurlos. Eines Tages wird dann eine Frauenleiche im Main gefunden – ausgeweidet und von dem Neugeborenen fehlt jede Spur. Dafür bekommen manche Frankfurter Bürger ganz unverhofft Nachwuchs.

Zur gleichen Zeit erhält Pater Nau ungewöhnlichen Besuch im Beichtstuhl. Sein seltsamer Fremder kommt an drei Abenden und zitiert jedes Mal einen Bibelvers. Dann verschwindet er spurlos. Zurück lässt er jedes Mal den blutigen Skalp einer Frau. Geschockt und überfordert lässt Pater Nau das grausige Mitbringsel in der Krippe des Jesuskindes verschwinden.
Es stellt sich heraus, dass die Skalps den verschwundenen Frauen gehören. Pater Nau gerät unter Tatverdacht und wird festgenommen. Seine Schwester Gustelies ist von seiner Unschuld überzeugt und ermittelt gemeinsam mit ihrer Freundin Jutta Hinterer. Denn schließlich ist Hella, Gustelies‘ Tochter, auch in großer Gefahr: Sie ist ebenfalls hochschwanger. Doch die beiden neugierigen Ermittlerinnen kommen nicht nur den verschwundenen Frauen auf die Spur, sondern stoßen auf ein grausiges Geflecht aus Aberglauben und dem Geschäft mit Leichen, die für Wundermittel verarbeitet werden.

Spannend und lebendig entführt Ines Thorn ihre Leser in das Frankfurt des 16. Jahrhunderts. Es ist eine Zeit des Aufbruchs, des Fortschritts und dennoch ist der Aberglaube hier immer noch allgegenwärtig.

Die Protagonisten sind durchweg sympathisch und authentisch. Besonders angenehm ist es zu lesen, dass Gustelies und ihre Freundin eben nicht versuchen, sich gegen die Männer durchzusetzen, sprich: allzu stark zu emanzipieren. Sie agieren in den ihren gegebenen Möglichkeiten, schießen zwar gelegentlich über das Ziel hinaus, doch dies ist angesichts der Sympathie für die Figuren vernachlässigbar.

Und auch, wenn dies bereits der dritte Roman der Reihe „Die Verbrechen von Frankfurt“ ist, kann „Totenreich“ auch ohne Kenntnisse der anderen Bücher gelesen werden, da die Romane in sich abgeschlossen sind.

Wer jedoch schwache Nerven hat, sollte vorsichtig sein: Das Geheimnis, das in den von den Protagonisten angewandten Wundermittelchen für alle Schönheitsbelange steckt, kann den Lesern auf den Magen schlagen.

Dennoch ist Ines Thorns neuer Frankfurt-Roman ein kurzweiliges Lesevergnügen für alle, die einen Blick ins historische Frankfurt am Main werfen wollen.

Jutta Ladwig, Studio Frankfurt

 

Ines Thorn: Die Verbrechen von Frankfurt: Totenreich

Taschenbuch, 384 Seiten.

Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg 2011.

8,99 EUR

ISBN: 978-3499253713

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