rusty 1
Dieser Artikel ist unter der ID: 1776 in unserem System gelistet.

Rustys Welt – Der Wolf ist los!

Dieser Artikel wurde 5.349 mal gelesen.

Wolfhagen – Ich werde die Menschen nie verstehen. Am Samstagmorgen sagte Frauchen plötzlich beim Frühstücken zu Herrchen: „Wir müssen heute in die Stadt, da ist der Wolf los!“ Mein Gott, was habe ich mich erschrocken. Am Nachmittag sind Herrchen und Frauchen wirklich in die Innenstadt aufgebrochen. Diesmal habe ich mich gesträubt, doch es half alles nichts, ich musste mit.

In der Innenstadt habe ich mich dauernd umgeschaut, ob ich den Wolf sehe, aber die Straßen waren sowieso leer. Nicht mal eine hübsche Pudelhündin war zu sehen. Dafür bekam ich wenigstens die Hälfte einer Bratwurst von Herrchen, dem das Freibier besser zu schmecken schien. Abends im Dunkeln wurde es erst interessant. In den Straßen standen vor den geöffneten Geschäften ganz viele brennende Kerzen oder Teelichter. Einige Häuser waren sogar bunt angestrahlt. Das große Fachwerkhaus am Marktplatz sah besonders hübsch mit der blauen Farbe und dem Muster aus. Und immer noch kein Wolf zu sehen. Auf einmal krachte und knallte es in den Straßen. Raketen gingen hoch in die Luft und drei unheimliche Feuerwesen tauchten aus dem Dunkeln auf. Ich traute meinen Augen nicht. Es sah aus, als ob sie selber brannten. Einer von ihnen sah riesig groß aus. „Foiah! Foiah! Foiah!“, schrien sie. Dabei spielten sie mit dem Feuer. Nur aus Vorsicht habe ich mich unter der Sitzbank von Frauchen verkrochen. Angst habe ich natürlich keine! Dass es ganz schön gefährlich war, merkten wir spätestens, als ein brennender Lappen einem Jungen ins Gesicht fiel. Er wurde ins Krankenhaus nach Kassel gebracht, aber Gott sei Dank war er nur leicht verletzt. Musik wurde auch gespielt, und zwar von Benrix, Mike Gerhold, Stolle und den „Eight Jacks“. Eine Band stand genau vor der Kasseler Bank. Ob die vielleicht einen Banküberfall geplant haben und mit dieser lauten Musik nur ablenken wollten? Aber alles blieb friedlich. Bei Fuchsens Café spielten drei alte Herren Gitarre und sangen Oldies dazu. Frauchen und Herrchen fanden die Lieder jedenfalls gut, denn sie sangen dauernd mit und bekamen ganz glasige Augen. Als wir wieder in der Schützeberger Str. waren, erblickte ich eine schwarze Gestalt mit einer wolfhagen michaelismarkt 31 08 2013Laterne, die sich uns näherte. Mein Frauchen ging auch noch auf den unheimlichen Mann zu. Schnell stand ich auf, knurrte und bellte ihn an. Der soll ja mein Frauchen in Ruhe lassen. Aber sie wollte ihn nur fotografieren. Es sei Hermann, der Nachwächter, sagte sie mir und streichelte mich beruhigend. Er rief den Leuten zu, dass es noch zum Abschluss des Tages eine Nachtwächterführung gäbe mit gar schauerlichen Geschichten aus dem 16. Jahrhundert. Das hätte mich ja interessiert, aber Frauchen und Herrchen waren müde und so fuhren wir nach Hause. „Morgen müssen wir zum Bahnhof und alle Gäste empfangen, die mit dem Zug kommen und unsere schöne Stadt anschauen wollen“, sagte Frauchen zu mir. Ich verstand zwar nicht, was sie meinte, habe aber trotzdem mit dem Schwanz gewedelt. Am Sonntagmorgen fuhren wir tatsächlich zum Bahnhof. Dort bauten Frauchen und Herrchen einen Tisch auf, auf den sie ganz viel Info über die Stadt und die Aktionen am Wochenende legten. Sogar Plakate wurden aufgehängt. Unterdessen habe ich den Bahnhofsvorplatz inspiziert und markiert. Es sollen doch alle Hunde wissen, dass ich hier war. Sehr einladend sah es sowieso hier nicht aus. Doch es war richtig was los hier, wenn fast jede halbe Stunde ein Zug angerollt kam. Frauchen begrüßte die Besucher und gab ihnen Prospekte und Stadtpläne, damit sie sich in Wolfhagen besser zurechtfinden. Die Leute fanden das alle ganz toll, denn sie strahlten und bedankten sich. Und alle sagten, ich sei ja süß und streichelten mich. Einer hat mir sogar ein Leckerli gegeben. Manchmal sind die Menschen wirklich nett. Herrchen war zwischendurch nochmal in der Stadt. Er kam aber bald wieder und brachte uns eine Pizza mit. Die Stadt sei rappelvoll, man komme gar nicht vorwärts, erzählte er. „Na Gott sei Dank“, sagte Frauchen, „zum Glück regnet es nicht. Sogar die Sonne lugt ab und zu durch die Wolken.“ Am späten Nachmittag haben wir dann alles wieder abgebaut, ins Auto geräumt und sind nach Hause gefahren. Wir waren alle ganz schön kaputt. Frauchen hat sich aufs Sofa gelegt, Herrchen vor den Computer gesetzt und ich habe mich in mein Körbchen verkrochen. Nächstes Wochenende soll es mit der Party weitergehen. Burggartenfest! Wau! Wau!

Text&Bild: ©Ursula Neubauer

- Anzeige -
- Anzeige -

Kommentare sind in diesem Artikel nicht erlaubt.